Wer fliegen lernt, braucht Mut

Ihre Aufgabe ist es, dann zu helfen, wenn viele andere längst wegschauen: 26 junge Frauen und Männer haben sich an der Fachakademie für Sozialpädagogik umfangreiches Wissen darüber angeeignet, was es heißt, professionell für andere Menschen da zu sein.
Zwei Jahre lang haben sie zunächst praktische Erfahrungen gesammelt. Darauf haben sie im dritten und vierten Jahr an der Akademie, deren Träger die Deutschordensschwestern sind, die nötigen theoretischen und methodischen Grundkenntnisse erworben. Nun stehen sie vor einem neuen Lebensabschnitt - mit einem Abschlusszeugnis in der Hand. Sonja Fanderl, die Jahrgangsbeste, erreichte die Traumnote von 1,08.
Den Gottesdienst, den Stadtpfarrer Helmut Reiner zelebrierte, haben die Absolventen selbst gestaltet. Sie zeigten dabei nicht nur musikalisches Talent, sondern auch ein tiefes Verständnis dafür, dass sie es in den nächsten Jahren nicht immer leicht haben werden. Für Eltern, Lehrer und Freunde hatten sie eine kleine Meditation vorbereitet: Im Mittelpunkt stand eine Geschichte über ein Adlerjunges, welches das Fliegen lernt. Ohne seine Eltern ist es von Anfang an zum Scheitern verurteilt, auch später ist es immer wieder auf Hilfe angewiesen, wenn es nicht in den Gefahren der Welt untergehen will. “Wir sind wie dieses Adlerjunge. Wir haben schon viel gelernt, aber ohne euere Hilfe und ohne euere guten Wünsche können wir unseren Weg nicht gehen”, bekräftigten die Absolventen.
Auch Sr. Maria-Franziska Meier, die Schulleiterin der Fachakademie für Sozialpädagogik, wählte nachdenkliche Worte, um ihre Schützlinge ins Berufsleben zu verabschieden: “Für andere Menschen da sein, das braucht Grundlagen. Sie brauchen Wissen, Methoden und Kompetenzen. Diese haben Sie in den letzten Jahren hier bei uns erworben. Doch das allein reicht nicht: Sie müssen positive junge Menschen sein, offen auf andere zugehen und sich mit ihrer ganzen Persönlichkeit einbringen. Das ist oft schwer - doch ich wünsche Ihnen, dass Gottes schützender Flügel Sie trägt, wenn Sie in Situationen geraten, die diese positive Lebenseinstellung vorübergehend ins Wanken bringen.”

Text und Foto: Barbara Osdarty

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